Montag, 13. Juli 2009

Einer weniger

Seit den frühen Morgenstunden versuche ich meinen Russenkumpel DJ Krypton zu erreichen, doch sein Telefon ist die ganze Zeit besetzt. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Gestern früh, gegen vier Uhr Moskauer Zeit, verstarb sein Freund und Turntabel-Genosse DJ Dlee (Alexej Taganzew) bei einem Verkehrsunfall. Nach ersten Meldungen russischer Nachrichtenagenturen soll ein Mercedes frontal in sein Auto gerauscht sein. Er war auf der Stelle tot. Der Fahrer des Mercedes überlebte und liegt noch schwer verletzt im Krankenhaus.

DJ Dlee war gerade mal 34 Jahre alt. Er arbeitete lange Zeit arbeitete mit den Gruppen "Fabrika Swesd-4" und "Banda" zusammen. Im Dezember kam das von ihm produzierte Album von Timati "Black Star" raus. Das war sein Einstieg ins russische Showgeschäft. Er entwickelte sich in den letzten Jahren zum erfolgreichsten HipHop-DJ Moskaus. Seine Musik traf ganz offenkundig den Zeitgeist und Geschmack der Jugend der russischen Mittelklasse. Für sie war er "Einer von uns, der es geschafft hat."

Es zu schaffen, das bedeutet dort: dicke Autos fahren, im Fernsehen laufen, große Konzerte in der ganzen Ex-Sowjetunion geben und den eigenen Geburtstag mit Feuerwerk in Saint Tropez feiern. Genau das hat DJ Dlee die letzten Jahre gemacht, getreu dem alten Cypress-Hill-Motto "Living like there aint no tomorrow". Ich hatte mich letztes Jahr lange mit Krypton über Dlee unterhalten und erfuhr, dass er unter ständigem Schlafentzug litt, da er seinen Terminplan immer übermäßig füllte.
Autofahrten mit ihm waren immer etwas abenteuerlich, da er an jeder roten Ampel ein Nickerchen machte, um wenigstens auf ein paar Sekunden Schlaf zwischendurch zu kommen.
Hoffentlich findet DJ Dlee jetzt Ruhe. Übermorgen findet die offizielle Trauerfeier für ihn statt. Am Donnerstag wird er in der Nähe von Smolensk beigesetzt. Hier nun seine letzte Produktion: Labora mit "Mückchen".

1 Kommentar:

Binh hat gesagt…

spakunje notche...

-1.

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