Sonntag, 9. Mai 2010

Rostige Panzer rollen über den Roten Platz

(cc)














Der heutige Tag des Sieges wird in Russland groß gefeiert - mit einer Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau. Ein Grund, mal mein neun oder zehn Jahre altes Liedchen "Rostige Panzer" vorzukramen und nochmal mit meiner Generation zu teilen. Ich war damals bei Russenrapper Loko zu Hause, irgendwo im verschneiten Stadtzentrum Moskaus, in einer Altbaugegend zwischen Zoo und Weißem Haus. Er wohnte damals noch in einer Abstellkammer im Büro seines Vaters und erzählte mir, wie er als Kind den Jelzin-Putsch miterlebt hatte und die Panzer vor seiner Haustür vorbei rollten, diesmal nicht zur Parade. Das hat mich bewegt.

Das passte zu dem Instrumental, das er mir kurz zuvor gebastelt und vorgespielt hatte. Die erste Strophe schrieb sich wie von selbst. Da wir keine Aufnahmemäglochkeit hatten, mussten wir improvisieren - Russen-Style. Er klingelte beim Nachbarn, borgte sich dessen Soundkarte aus, klingelte bei einem anderen Nachbarn und borgte sich so ein rotes Plastemikrofon a la My First Sony aus. Dann fuhr er den Rechner am Schreibtisch seines Vaters hoch und los ging's. Die ganze Aufnahme dauerte vielleicht 15 Minuten. Dann mussten wir Schluss machen, weil plötzlich sieben Kiffer-Kumpels vor der Tür standen und feiern wollten. So war das. Trotz, oder gerade wegen seiner räudigen Qualität packte ich das Lied ein paar Jahre später als Opener auf mein "Disko in der U-Bahn"-Album und jetzt hierher zum freien Download.

Loko & Jenz Steiner - Rostige Panzer (3,6 MB)

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