Dienstag, 26. August 2008

Hilfe, mein Rap-Video ist gentrifiziert!

Härte, Dreck und Schroffheit passen gut zu Rap. Doch so wie weltweit ehemalige Schmuddelbezirke in Städten zu Edelquartieren für die gehobene Mittelklasse aufpoliert werden, gewinnen urbane Optiken in internationalen Rap-Videos permanent an Sterilität. Diese Ansicht vertritt der Schweizer Kunst- und Kulturwissenschaftler Matthias Daum in der Neuen Züricher Zeitung vom Samstag.


New Yorker Großstadtindianer Grandmaster Flash and The Furious Five: "The Message" (1982)

Einerseits sei mit der steigenden Popularität von HipHop die Bilderwelt der Rap-Videos zunehmend bürgerlicher geworden. Andererseits würden im globalisierten HipHop lokale Bildsymbole die US-Vorbilder immer öfter ersetzen, stellt Daum fest. Dabei bezieht er sich auf das Buch Is this real von Gabriele Klein und Malte Friedrich aus dem Jahr 2003 und eine Reihe von Musik-Clips aus drei Jahrzehnten.



Berliner und Leipziger Großstadt-Häuptlinge V-Mann und Morlockk Dilemma: "WK8/LSD" (2007)


HipHopper würden, so Daum, die Stadt theatral überhöhen, indem sie diesen Raum als Bühne, Leinwand und Tanzfläche nutzen. Irgendwie hat der Schweizer schon Recht. HipHop war schon immer Abbild des gesellschaftlichen Zeitgeistes, teils bewusst, teils unbewusst. Was in der Wirtschaft feindliche Übernahmen, Klagewellen und das Präsentieren der Vormachtstellung durch das eigene Corporate Design ist, findet man etwa auch unter Writern, nur die Währung ist ein andere.

Mogli im Berliner Großstadtdschungelbuch - Sir Serch: "Jungle" (2007)

HipHop ist schon ein krasses Kulturgut geworden. Schließlich zahlt er Journalisten; Filmemachern und Kulturwissenschaftlern die Miete für deren sanierte Altbauwohnung mit morbiden Charme. Nur haben meine HipHop-Kumpels nichts davon.

NZZ-Artikel
Daums Videobeispiele
Is this real Buch
Andrej Holms Gentrification Blog

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