Samstag, 12. Dezember 2009

Zwölftes Türchen

Als DJ Tommek, Joe Rilla und MC Poise noch für drei Mark Eintritt in einem Prenzlauer Berger Jugendklub auftraten, stand GTDK-Weihnachtskalenderkolumnist Jenz Steiner begeistert im Publikum. Diesen Rap-historischen Augenblick teilt er am heutigen 12. Dezember mit der gesamten Generation Tapedeck.








Das ist ein Dienstleistungswürfel in Marzahn. Genauso sah das Atelier bis 89 auch aus.



Drei Mark Eintritt. Ein Stempel mit einem tanzenden Strichmännchen aufs Handgelenk. 20 Uhr und das Atelier 89 war voll. Dieser Jugendklub im Obergeschoss eines typischen DDR-Dienstleistungswürfels im nordöstlichen Zipfel von Prenzlauer Berg war bis zu dieser SWAT-Party am 30. Dezember 1991 nicht gerade als HipHop-Location bekannt. Ein zweietagiger Plattenbau war das, unten eine Post und ein Blumenladen, oben neben dem Klub noch ein Friseur, mehr nicht. Bis dahin gab es auch noch keine wirkliche HipHop-Szene in meinem Bezirk, nur einzelne Leute, die nicht voneinander wussten. Ich war schwer beeindruckt, wen ich da alles traf. Linda und Ahmad aus meiner Schule tanzten da rum. Auf der Bühne stand plötzlich der blonde Junge aus dem Wedding mit der Brille, den ich im November mit seiner Gang in der Jessener Straße getroffen habe. Jetzt schlossen sich ja Kreise. Das war auch derselbe Typ, der als MC Miss One in der letzten Yo-Show auf DT64 zu Gast war. Jetzt stand der da vorne und rappte so quäkig und gangstermäßig wie Eazy-E. Wer hätte ahnen können, dass der Typ mal zu einem DJ Tommek mutiert.

Die nächste Band war Three Men Nation aus Marzahn und Hohenschönhausen. Die kannte ich auch schon aus dem Radio. Musikalisch überlebt hat von denen nur Razzia, der kräftige blonde Rapper. Seit einem Jahrzehnt nennt er sich Joe Rilla. Hauptact war A Real Dope Thing. Oh, wie war ich von MC Poises Beatbox beeindruckt! Auch ihn hatte ich schon gesehen – ebenfalls in der Jessener Straße. Das war der Typ mit den dicken Turnschuhen. DJ Pumi (Rebel X), Poise und Fight waren für mich schon richtig alte Männer. Ich traute mich nicht zu tanzen. Das war mir peinlich. Viel Zeit dafür hätte ich eh nicht gehabt, da ich eigentlich um neun wieder hätte zu Hause sein müssen. Rebellisch wie ich war, blieb ich aber bis zehn und sprintete dann wieder zurück ins Bötzowviertel.

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