Sonntag, 13. Dezember 2009

Dreizehntes Türchen

Der Generation-Tapedeck-Weihnachtskalender hat sein Bergfest hinter sich. Jenz Steiner darf sich nun zwölf weitere Innercity-HipHop-Anekdoten überlegen, die die Kassettenliebhaber von einst sinnlich und beschwingt auf das bevorstehende Weihnachtsfest einstimmen. Heute: der Jahreswechsel 95/96 zwischen Zinonskirche und Acud.


Slyvester mit einer riesigen Meute auf dem Turm der Zionskirche zu verbringen hat was. Die ganze Stadt knallt und blitzt und kracht. 1995/96 ging das noch. Danach zogen wir die paar hundert Meter bergab ins Acud. Wenn Neujahrsparty, dann mit HipHop. Keine Ahnung, wer da alles auflegte. Die Musik war bei allen DJ's dieselbe: Busta Rhymes, Black Moon, A Tribe Called Quest, Last Boyscout, Flatlinerz, N9ne, Method Man, Pharcyde und Jeru. Dazwischen immer so Nubian Crackers und Breakbeat-Zeug, aber auch Arman van Helden, der sich damals auch ein bisschen hiphoppig austobte.


1990 gründeten Künstler in der Rykestraße im Bezirk Prenzlauer Berg die Galerie ACUD. Die vier Anfangsbuchstaben der Gründungsmitglieder A.C.U.D. waren die Namensgeber des daraus entstandenen Kulturvereins, der in der Veteranenstraße sein endgültiges Domizil fand. Mitte der Neunziger wurde das Acud zum Treffpunkt der Berliner HipHop-Szene. Rap-Veranstaltungen sind dort heute selten. Im vergangenen Jahr legten Breaque und V.Raeter im neuen Calabash Club im Acud auf, Steiner, Susius oder HBL standen auch gelegentlich auf der Bühne. Foto: be local

Irgendwas war anders. Um mich rum hatten alle Freundinnen, knutschten rum, hielten Händchen und befummelten sich wild. Nur ich nicht. Voll jemoin, ey! Doch da erschien mein Hoffnungsschimmer – einen Kopf kleiner als ich mit halblangen, kastanienbraunen Haaren und buntem Strickpulli. Wow! Mein Neujahrsengel! Aber woher kannte ich sie? Meine Beine tanzten von alleine, während mein Kopf ratterte. Jetzt machte es klick. Ich nahm all meinen Mut zusammen und sprach sie an: „Sach mal, Du bist doch Katja. Wir waren zusammen im Kindergarten, weeste noch? Damals in der Esmarchstraße, im Bötzowviertel... ...“ Ich muß sie ganz schön zugetextet haben. Warum neigen Jungs immer dazu, ihre Unsicherheit mit Gelaber zu übertünchen? Von ihr kam nur ein schmales „Ja, kann schon sein, ick weeß“. Dann tanzte sie weiter und ich ging erst einmal Luft schnappen.

Vor der Tür standen nur noch zählbar viele Kumpels. HipHop-Partys sind halt schon immer etwas früher zu Ende. Mist. Als ich wieder runter kam, war die Kindergarten-Katja weg. Ich blieb noch mit zwei Writer-Atzen bis um sieben. Dem DJ gingen die Lust, die Platten und das Bier aus. Sense. Auf dem Weg zur Haltestelle holten wir unser Sylvester nach. Es ging so ziemlich alles zu Bruch, was kaputt gehen kann. Das Polizeirevier vor unserer Nase juckte uns nicht. Die Straßenbahn, so eine neue, gelbe, überholte Tatra, wurde zum Jahresbeginn gleich mal voll zugetaggt. 96 konnte beginnen und es wurde ein richtig cooles Jahr.

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