Freitag, 17. Dezember 2010

Andys Weihnachtstagebuch: Seite 17 - Back again

Unsere Probleme erscheinen plötzlich nichtig und klein, wenn man guckt, was gerade in Venezuela los ist. Ein heftiger Erdrutsch hat gestern in Caracas 50.000 Menschen in den Tod gerissen. 150.000 sind über Nacht obdachlos geworden. Während die Hilfsorganisationen nun um Spender werben, will Helmut Kohl die Spender nicht nennen, die der CDU über zwei Millionen Mark illegal überwiesen haben. Laura hat bei mir übernachtet. Sie hat in meinem Bett geschlafen, ich auf der Couch. Sie ist ganz früh abgehauen. Ich habe noch gepennt.


Diese sowjetische Zeichentrickverfilmung von Steven Kings "The Battle" passte ganz gut zu Andys Gemütszustand, nachdem Tim plötzlich wieder aufgetaucht war.

Vorhin klingelte es an der Tür. Ich machte auf. „Back agaiiiin“. Tim stand vor der Tür und grinste mich euphorisch an. Ich sagte nichts. Er textete mich zu – mit seinen Abenteuern in Brüssel. Als ich meinte, dass wir hier tausend Tode gestorben sind, weil er plötzlich weg war, quietschte er nur: „Was seid ihr denn für Spießer? Gefangene Vögel singen von der Freiheit. Freie Vögel fliegen davon.“ Ich atmete tief durch. Eigentlich wollte ich ihm in die Fresse hauen. Aber ich nahm mich zusammen und fragte ihn, ob wir den Auftritt nun durchziehen oder er noch irgendwohin müsse. „Uf Jedsten, dit wird die krasseste Rap-Show, die die Stadt je gesehen hat. Andy Waffen und Timinator XXX in full effect!“.

Gut. Dann ziehen wir es halt durch. Ich bin froh, dass ich den Auftritt noch nicht abgesagt habe. Ich habe Tim gesagt, er solle so schnell wie möglich zu Charité fahren und Bescheid sagen, dass er wieder da ist. Das hat er auch gemacht. Nachmittags hat er mich angerufen und erzählt, dass er jetzt strafversetzt wird – in die Sterilisation, noch vor Weihnachten. Aber das wäre okay für ihn. „Lieber OP-Instrumente sauber kratzen als im Schichtdienst Zombies durch die Gegend schieben.“

Als er weg war, brauchte ich etwas Zeit für mich und guckte mir die sowjetische Zeichentrick-Version einer Steven-King-Story an. Keine Ahnung, was „Srazhenie“ heißt.
Laura kam kurz darauf vorbei. Sie war ganz blass und wollte mit mir reden. Sie sagte, ihre fehle die Kraft, weiter mit Tim zusammen zu sein. Warum sagt sie das mir und nicht ihm? Ich konnte und wollte ihr keinen Rat geben. Ich hab nur gesagt, dass wenn sie ihn liebt, auch seine Fehler und Schwächen akzeptieren muss. Er tue das ja schließlich auch. Das stimmte natürlich nicht und das wusste sie auch. Heute erstickten ihre Wut und ihre Verzweiflung die Tränen.


Was bisher geschah:
Einleitung
Seiten 1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11,12,13,14,15,16

Kommentare:

MOOF hat gesagt…

Gefällt mir sehr gut! Muss man echt jeden Tag mal vorbeischauen...

mob hat gesagt…

bin grosser fan!
wo bleiben teil 18 und 19? mir fehlt der lesestoff fuer den vierten advent. ;)

Jenz Steiner hat gesagt…

in arbeit

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