
So, heute wird wieder polarisiert! "Die Grenze verläuft nicht zwischen Ost und West, sondern zwischen oben und unten", war mal an der Köpi, dem alten besetzten Haus zwischen Berlin Mitte und Kreuzberg zu lesen. Walter Ulbricht hat die Mauer 1961 errichten lassen, damit die Leute im Osten nicht für Westgeld, sondern hier schön für einen Appel und ein Ei schindern gehen. An dieser Grenze stirbt heute niemand mehr. Tote gibt es nur noch an den Außengrenzen der Festung Europa, auch ohne Schießbefehl. Gluck, gluck.
Die meisten Leute, die ich kenne, schindern heute wieder oder noch immer für einen Appel und ein Ei. Die, die das nicht machen, lassen sich nicht mehr im Speckgürtel, sondern mitten in der Stadt teure Townhäuser errichten und verschanzen sich in "Gated Communities", geschlossenen Wohnanlagen, in denen sie ihren Reichtum geschützt zur Schau tragen können, genau wie sich damals Ulbricht, Honnecker und das ganze ZK der SED in ihrer Waldsiedlung Wandlitz verschanzt haben.
"Nobelhundehütten - wau wow"So entstehen heute entstehen nicht nur in der Berliner Innenstadt, sondern überall auf der Welt zahllose kleine Berliner Mauern. Die nennen sich nicht antifaschistischer Schutzwall, sondern Arcadia-Wohnanlage, Prenzlauer Gärten oder Central Park Residence. Ist es nicht eine absurde Entwicklung, dass sich solche Leute aus Angst vorm Pöbel, der jetzt Prekariat heisst, selbst in Luxus-Lagern internieren? Die müssen Strafe zahlen, wenn sie ihre Wohnungstüren in anderen Farben anstreichen oder den Garten nicht normgerecht pflegen - wie im Knast. Da dreht sich mir echt der Magen um. Deshalb habe ich dem Thema "Nobelhundezwinger" ein Liedchen gewidmet. Es nennt sich "Stacheldrahtzaun". Ich habe es neulich bei DJ V.Raeter aufgenommen und einen, so hoffe ich, gelungenen Gegenentwurf zu "American Boy" von Kanye West und Estelle geschaffen.
Download
hierText zum Mitlesen
hier