Mittwoch, 30. Dezember 2009

15 Jahre altes HipHop-Zeitdokument

Es gab mal eine Zeit, da hatte Marusha neben ihrer Rave Satelite Show auf Fritz auch noch eine Fernsehsendung beim ORB. Feuerreiter nannte sich das jugendliche Format. 1993 berichtete sie erstmals über die Streetjam auf dem Helmholtzplatz und fuhr zu Rock Steady Jam in NYC, bei der so ziemlich alle auf der Bühne und im Publikum standen, die in den nächsten fünf Jahren richtige HipHop-Größen wurden. Die Sendung habe ich leider noch nicht im digitalen Format vorliegen.


Sehr amüsant im Video: Zum rappenden Fetten Brot und Easy Business hat die ORB-Redaktion Musik von No Solo und Rebel One eingespielt.

Gefunden habe ich stattdessen eine spätere Sendung von 1994 über die damals drei Jahre alte SWAT Posse. Zu der Zeit war SWAT schon eine richtige HipHop-Marke, stand aber vor neuen Herausforderungen.
Das Ziel, eine Infrastruktur aufzubauen und die jugendhausorientierte deutsche HipHop-Szene hatte das Projekt längst erreicht und übererfüllt. SWAT verlagerte seinen Stammsitz erst von der Insel der Jugend in Treptow an den Kollwitzplatz zu Netzwerk Spiel/Kultur, dann in den ehemaligen GST-Stützpunkt in der Hosemannstraße in Prenzlauer Berg.
Die nachwachsende HipHop-Generation begeisterte sich eher für bunte Hochglanz-Magazine als für textlastige A5-Fanzines wie das SWAT-Inzine, Storm oder Mik's X-Side News.

Während die Bundespost sich in Post, Telekom und Postbank aufspaltete, entstanden aus SWAT heraus das HipHop-Mobil (erst unter Federführung vom späteren Aggro-Boss Spaiche, dann mit Gauner), die Graffiti-Connection (heute Werbeagentur graco) und Andreas Welskops Künstlermanagement 10vor10 in Köln (heute Zughafen mit Clueso in Erfurt).

In Westberlin engagierten sich Sozialarbeiter wie Frank Senf oder Jarric im HipHop-Haus auf ähnliche Art wie SWAT. Oldschool-Writer wie Dane gaben Airbrush-Workshops, MC's wie DJUX (heute Kool Savas) brachten Leuten das Rappen bei, die das heute immer noch mehr oder weniger erfolgreich tun. Viel Spaß mit diesem HipHop-Geschichts-Videoschnippsel.

Count, Bass and D

Haben zwar die Blog Freunde von HHV auch schon gepostet, aber da wir (glaube ich) auch alle große Count Bass D Fans sind hier nochmal ein neues Mixtape mit Dj Pocket!
























In The Loop
...yeahhh

Dienstag, 29. Dezember 2009

93 X-Mas NYC Radio Flava mit Red Alert

Als nachträgliches Weihnachtsgeschenk gibt es heute für Euch noch etwas Radiogeschichte: einen 45minütigen Old School Mix von und mit Kool DJ Red Alert auf NYC Kiss FM 98.7 vom 24. Dezember 1993. Der Mitschnitt passt genau auf eine Seite einer 90er Kassette.

Die Stimmung im Studio ist so überladen und chaotisch wie man es sich in Deutschland nicht einmal auf den einschlägigen Piratensendern der Vergangenheit hätte vorstellen können.
Die Tracks stammen eher aus den frühen Achtzigern, als HipHop immer elektronischer wurde, mit Whodini und Dominatrix und den Fearless Four. Interessant finde ich, dass der Zeitabstand zwischen der Entstehung der Musik und der Zusammenstellung des Mixes etwa derselbe ist wie der zwischen der Ausstrahlung der Sendung und der Veröffentlichung dieses Blogeintrags. Besonders interessant beim Hören sind die Werbespotz zwischendurch, die den Hörer von den Achtzigern in Sekunden in die Neunziger katapultieren.



Unfassbar, dass HipHop-Pionier Red Alert ein Jahrzehnt älter ist als meine Eltern und doppelt so alt ist wie ich. Was für eine Jugendkultur ist das denn? Egal, >>hier<< der Mix zum freien Download im mp3-Format.

Ankündigung: Neue Serie - Sichtbeton ist zurück


Nachdem nun alle Weihnachtskalendertürchen aufgeklappt sind und Weihnachten 2009 ein abgegessenes Thema ist, hat sich GTDK-Kolumnist Jenz Steiner etwas ganz Besonderes zum Jahresauftakt 2010 einfallen lassen. Anlass dafür ist die kürzliche Veröffentlichung des ganz bemerkenswerten Albums "Sichtbeton: zurück" von DJ V.Raeter und Lunte.

Ich mag Überraschungen. Besonders überrascht war ich von V.Raeters Weihnachtsüberraschung, die er mir gewidmet hat. Ich höre in letzter Zeit sehr viel neue Musik. Als ich letzte Nacht das neue Sichtbeton-Album erstmals am Stück gehört habe, war ich nicht nur schwer beeindruckt, ich wurde mir auch schnell klar darüber, dass das Musik ist, mit der man sich intensiv beschäftigen kann und auch muss. Genau das werde über einen Monat hinweg ich ab 1. Januar 2010 machen.

An dieser Stelle werde ich ab dann jeden Werktag einen Track des Albums besprechen. Bislang ist es mir noch nicht gelungen, ein komplexes Bild von diesem Gesamtkunstwerk zu gewinnen oder gar ein kompaktes Urteil darüber zu fällen. Vielleicht gelingt es mir durch das Betrachten der 23 kleinen Mosaiksteinchen, die das Album zu einer gelungenen Komposition zusammen fügen.
Ich will damit nicht nur das Interesse an dieser Musik schüren und Diskussionen auslösen, sondern auch da ansetzen, wo den herkömmlichen Rezensionsschreiberlingen die Worte ausgehen.

Montag, 28. Dezember 2009

Collectif Mary Read und Jenz Steiner




















Was wäre ein angemesseneres Ende für ein musikalisch so erfolgreiches Jahr als ein tolles Abschlusskonzert? Keine Ahnung! Ich werde das Jahr jedenfalls schon am Dienstag, den 29. Dezember in der Kadterschmiede, in der Rigaer Straße 94 ausklingen lassen, ohne Eure bisherigen Sylvesterplanungen zu kreuzen. Vor mir tritt die französische Rap-Gruppe Collectif Mary Read aus St. Etienne auf. Die Gruppe kannte ich bislang nicht, habe aber einen Live-Mittschnitt von einem ihrer Konzerte in Frankreich im Netz gefunden. Auf dem Flyer sind auch support DJ's angekündigt, jedoch weiß ich nicht, wer das letztendlich sein wird. Ich mache jedenfalls das Beste draus und freue mich über jedes bekannte Gesicht im Publikum. Die Höhe des Eintrittspreises legen die Gäste fest. Mit der überschüssigen Kohle werden Leute unterstützt, die gerade zu Unrecht im Gefängnis sitzen. Los geht es 23 Uhr.


Samstag, 26. Dezember 2009

Gaslamp Killer hat 10 Jahre Flying Lotus gemixt ... Weihnachten is TOLL
























Flylo sagt: "Merry Christmas and happy holidays to everyone as we’re approaching this new year, I felt it was time to let go of some things that have been gathering dust. Some old things, and some new things, I tried to pick out tracks that I know yall haven’t heard yet so there should be surprises around every turn.
can’t believe i’ve been making tracks for over 10 years now..That said, there’s so much to learn still.
I hope you all enjoy this mix. Thanks to the Gaslamp Killer for doing an incredible job on THIS.

Can’t wait for you all to hear my album ‘Cosmogramma’ coming out April 20th 2010 on Warp Records.

Enjoy" (via www.brainfeedersite.com)

Freitag, 25. Dezember 2009

The Beep hat auch nen Mix gemacht...

Es sieht so aus als ob The Beep aus Köln die vorweihnachtliche Mixkultur genauso feiert wie wir!? Deshalb hat er nen wirklich smoothen Mix für den ersten Feiertag gemacht...
also Gans, Fisch oder sonstwas genascht und dann ab uffe Couch und "the beep's christmas crate" gelauscht! Yo
























the beep's christmas crate by TheBeep

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Russischer und amerikanischer Weihnachtsmann

Damit Ihr Weihnachten nicht vorm Computer rumhängt, sondern Euch endlich mal mit Freunden und Familienangehörigen verbringt, wachen heute MC Hammer und sein russisches Gegenstück Kwasimodo MC darüber, dass Ihr die Finger von der Tastatur lasst, sonst setzt es was mit der Trash-Rap-Rute.



Vierundzwanzigstes Türchen

Am 1. Weihnachtsfeiertag:

Ich denke dass dieser Blog auch von Lesern aus Heilbronn und Umgebung besucht wird.
Deswegen diese Werbung in eigener Sache:



Das wird wahrlich ein Fest!

Frohe Weihnachten euch Allen!

24. Türchen: Endlich Heiligabend

Jenz Steiners vierundzwanzigste und damit letzte GTDK-Weihnachtsgeschichte läutet nun das Weihnachtsfest ein. Hoffentlich haben alle Generation-TapedecklerInnen ein glücklicheres Weihnachtsfest als es Steiner hier beschreibt.

"I'm dreaming of a white Christmas", sang irgendein Schlagerfutzi auf Antenne Brandenburg. Wir hatten auch eine weiße Weihnacht, doch ich hätte heulen können. Nein, ich habe sogar geheult, Heiligabend 2001. Und sauer war ich. Ganz schlimm. Hätten meine Eltern nicht dieses bekloppte Haus 30 Kilometer nordöstlich von Berlin gekauft, wäre es ein cooler Weihnachtsabend geworden. Erst konsumfreie Bescherung mit Mutter, Vater und Mietzekatzen, dann Funkviertel-Party mit Serch, V-Mann, V.Raeter und Marcello im Icon in Prenzlauer Berg. Der familiäre Teil klappte ja auch noch ohne Probleme.

Kurz nach neun verabschiedete ich mich von meinen Eltern, setzte mich ins Auto, um in die verschneite Stadt einzutauchen. Verschneit war nicht nur die Stadt, auch die brandenburgischen Alleen und Frau Holle, die gerade noch im MDR Fernsehen über den Bildschirm hüpfte, schüttete ordentlich nach. Im Scheinwerferlicht sah ich nur die wilden Reflexionen tausender Schneeflocken und irgendwann das Ortsausgangsschild der Speckgürtel-Gemeinde, in der sich meine lieben Eltern drei Jahre zuvor niedergelassen hatten. Mein Renault Clio hatte ganz schön zu kämpfen. Unter den Reifen knirschte der Schnee und schob den Kleinwagen mal nach links, mal nach rechts. Nach ein paar hundert Metern ging gar nichts mehr. Ich steckte fest. Mitten in der Nacht, mitten in den unendlichen Weiten des Märkischen Oderlands.

Nichts ging mehr. Jede Bewegung des Autos war ein reines Glücksspiel. Als ich das Gefährt in der Dunkelheit doch ein bisschen bewegt bekam, manövrierte ich es fast in den Straßengraben. Im Autoradio leierte meine Tony-Touch-Kassette. Ich stieg aus, versank mit meinen Turnschuhen selbst im Schnee und schaufelte die Räder frei. Ein sinnloses Unterfangen. Niemand kam vorbei. Das war's dann wohl. Frohes Fest!

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Bye, bye, birdie...



Einen Tag vor'm obligatorischen Völlegefühl verabschiede ich mich schonmal in die Winterpause. Da mein nächster Mix noch nicht an der Reihe ist (und momentan sowieso V's Adventure-Mix rund läuft), gibt es nur ein kleines Bild, und einen Link für euch alle.



Ich wünsche allen Leuten hier eine erholsame Zeit, verteilt Liebe, und nicht immer nur Samen!

Bis zum nächsten,
Binh.

Vote 4 Demograffics/ Austrian Newcomer

Da ich die Demograffics so mag:

DEMOGRAFFICS is nominated for the Austrian Newcomer Award 2010. At this point some of you may think „Wait a minute….these guys are not from austria“ but hey, it’s not where ya from, it’s where ya at. Voting period is from 15.-28. December, So VOTE NOW!!!!



Bild klicken!
(Das Voting System ist etwas verwirrend, aber man muss einfach oben links auf "Nominierte" klicken und dann "Demograffics auswählen".)

Dreiundzwanzigstes Türchen

Jenz Steiners 23. Weihnachtsgeschichte startet als Lovestory, liefert aber einen Einblick in Berliner Lebenssphären, die den meisten Stadtbewohnern sonst verborgen bleiben.

Warum musste ich mich so doll in diese süße Amerikanerin verlieben, dass ich ihr von meinen Zivildienst-Ersparnissen einen Flug nach Deutschland bezahlte, um mit ihr hier 1998 Weihnachten und Sylvester zu verbringen? Gerade hatte ich sie vom Flughafen Tegel abgeholt und in meinen nagelneuen und pfirsichroten Renault Clio gesetzt und war mit ihr bis in die Seestraße im Wedding gekommen. Da schepperte es. Auf der Nebenfahrbahn war jemand am Lenkrad eingeschlafen und steuerte seinen Audi im Schlaf direkt in meine Fahrertür.



Mit meinem Alcatel (RFT)-Handyknochen rief ich gleich die Miliz. Die Weihnachtsstimmung war im Eimer. Das mit der Polizei war ihm gar nicht so recht. Er fragte mich die ganze Zeit, ob wir das nicht unter uns klären könnten. Er habe auf „den Verein“ nicht so wirklich Lust. Der Grund dafür blieb mir nicht lange verborgen. Der Typ war ein Zivibulle, der sich geschickt aus der Affäre ziehen wollte. „Wenn das rauskommt, hab ich das Genickschusskommando auf dem Hals, im wahrsten Sinne des Wortes“.

Da er sich wohl schon ein paar Schnitzer in seiner bisherigen Karriere erlaubt hatte, wollte er sich vor seinen Kollegen nicht unbedingt outen. „Weißt Du wie schwer es ist, als unehrenhaft entlassener Drecksbulle wieder einen Job zu finden?“ Ich konnte es mir vorstellen. Sollte ich Mitleid haben? Er hatte gerade mein neues Auto zerlegt, mein Weihnachten versaut und dafür gesorgt, dass meine große Ami-Liebe nach 12 Stunden Flug nun eine Stunde in der Weddinger Winterkälte stand. Ich spielte mit und deckte ihn vor seinen grünen Kollegen vom Verkehrsunfallkommando. Statt über die Landeskasse wickelten wir den Schaden über seine Privatversicherung ab.



Er gab mir die Nummer eines „Schrauberkumpels“ in Spandau, bei dem er noch was gut hätte. Der Schrauberkumpel, den ich kurz nach Neujahr aufsuchte, war ein muskolöser Auto-Mafia-Typ mit gepflegtem Rocker-Bärtchen, ganz in schwarz, in Lederhosen, mit Wollmütze und langem Mantel, darunter ein Koppel mit Knarrenhalfter, einer großen Mac Light Lampe, Funkgerät und Handy. Er hatte sich auf einem ehemaligen Militärgelände der britischen Alliierten eingerichtet.
Um dorthin zu gelangen, musste man erst durch die Polizeikaserne in Ruhleben fahren, kam dann auf ein Straßenkampf-Übungsgelände der Briten, auf dem zerballerte U-Bahn-Waggons und fensterlose Plattenbaurohbauten rumstanden. Hier gab es alles. Kirchen, Supermärkte, Wohnhäuser. Eine künstliche Geisterstadt. Hinter der Fighting City lag ein großer Schrottplatz.

Überall alte Autos, neue Autos, schweigsame Blondchen, Winkelschleifer und Hebebühnen … keine Ahnung, was hier lief. War mir auch egal. Der stämmige Herr verlor nicht gerade viele Worte, wusste aber genau, was er tut und für wen. Es gab drei kurze und klare Ansagen. „Komm mit!“, „Warte hier!“ und „Bitteschön. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Der Mohr kann gehen!“ Meinte er damit sich oder mich? Egal, ich hielt eine typengleiche Tür für meinen Renault Clio in der Hand, in blau, nicht in pfirsichrot. "Tschö mit ö.", "Jenau!". Das "Danke.", "Ach, nüscht zu danken." spielte sich eher mit Blicken, auf so einer körpersprachlichen Ebene ab.
Von nun an war mein Auto für mich und jedermann schon aus der Ferne leicht zu erkennen.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Knister, Knister...

Kerze Nummer 4 am GTDK-Adventskranz hat unser aller Liebling V.Raeter angezündet.
Er leitet damit den entspannten Teil der Weihnachtszeit ein ... Eisbärenfell vor den Kamin und los!!!




















Sagt yes yoa, saugt's euch und dreht die Regler bis zum Anschlag...
und im neuen Jahr geht's weiter ... der nächste Mix kommt vom Mond!

Zweiundzwanzigstes Türchen

Hinter dem 22. Türchen des GTDK-Weihnachtskalenders verbirgt sich keine konkrete Anekdote. Heute beschäftigt sich Jenz Steiner mit den Gepflogenheiten der P-Berg-Kids von einst, die heute schon locker zwischen 25 und 35 Jahre auf dem Buckel haben. Als kleinen Bescherungsvorgeschmack gibt es Jörg Riders Album "Verdammt, ich lieb Dich" als Einzeltracks zum freien Download.














Seltener Blick von der Spitze der Segenskirche in den Glockenturm. Foto: Justus, herbstradio.org, picassa, creative commons


Vielleicht sollte ich das aufschreiben. Ich komme mir so "stadtmagazinig" vor, wenn ich über die Weihnachtstraditionen der Prenzlauer Berger Ex-Jugend schreibe. Wovon soll ich auch schreiben? Von den endlos vielen Bierflaschen, die am Morgen des 25. Dezember vor der Segenskirche in der Schönhauser Allee rumliegen? Auch wenn aus unserer Generation dort niemand (mehr) zum Gottesdienst geht, hat sich der große Torbogen der Kirche in den letzten Jahren schon so sehr zum ersten Anlaufpunkt nach Essen und Bescherung zu Hause etabliert, dass wenn ein paar Leute nicht dorthin gehen, diesen Ort ganz bewusst meiden.

Was ist das Besondere an der Segenskirch-Weihnachtscorner? Die Schulhof-Atmosphäre vielleicht, aus der manchmal Schneeballschlachten mit der gelangweilten Polizei erwuchsen. Manchmal gingen auch ein paar Scheiben finsterer Fenster am Kollwitzplatz zu Bruch. Hier sieht man die ganzen Weggezogenen wieder, die ihr Studium nach Leipzig, Köln oder sonst wohin gezogen hat.



Irgendwann zwischen 2004 und 2006 hat Jörg Rider dort sein auf vielleicht 20 Exemplare limitiertes Album "Verdammt, ich lieb Dich verteilt.
Falls Ihr damals keins ergattert haben solltet, davon gehe ich aus, könnt Ihr Euch die einzelnen Tracks hier frei runterladen.

Ende der Neunziger zog es uns immer zu einer Geburtstagsparty in einer Groß-WG in der Schönhauser Allee. Alle Mitte-Prenzlauer-Berg-Friedrichshain-Sprüher hingen dort rum, bombten Hausflur und Außenklo und gingen noch größer über ihre eigenen Tags vom Vorjahr oder nahmen alles auseinander bis die Miliz den Spaß beendete.



Die Partys im Pfefferberg, die sich später auf Tante Käthe im Mauerpark und seit drei Jahren ins Bassy, also fast an die Stammlocation in der Schönhauser verlagert haben, gleichen eher einem großen schulübergreifenden Klassentreffen. Man kennt sich halt.

Ich fand es immer ganz cool, Heiligabend durch die schwarzen, autofreien Straßen zu laufen. Mittlerweile bleiben viele Neuprenzlauer Berger aber über Weihnachten im Bezirk. Man ist halt angekommen und nabelt sich ab vom Elternhaus, wo auch immer das stehen mag. Mehr passiert hier nicht. Insofern kann ich auch ohne schlechtes Gewissen drüber schreiben.

Was macht Ihr denn immer so am 24. Dezember, liebe Kommentarschreiberlinge?

Montag, 21. Dezember 2009

Einundzwanzigstes Türchen

Es bleibt ein sehr finsterer und übeler Nachgeschmack, wenn Jenz Steiner in der 21. GTDK-Kalendergeschichte von seinen vorweihnachtlichen Krankenhaus-Erfahrungen in Berlins tristestem Bezirk Wedding berichtet. Gerettet hat ihn damals ein Mixtape von V.Raeter und Aaron.














Grauer Wedding to the fullest. Blick vom Flak-Bunker Humboldthain.

Wie konnte ich nur diesen miesen Job im Weddinger Krankenhaus Drontheimer Straße annehmen? Was befähigt mich denn dazu, den Haushalt einer Krebsstation zu schmeißen? Schieber wegbringen, Frühstück machen, Halbtote füttern, die Matratzen der ganz Toten abwischen, Essenreste zusammen kippen, Hintern abwischen, Flüssignahrung nachkippen und alle Arbeiten verrichten, für die sich Schwestern zu fein waren, für die sonst einfach keine Zeit war. Etwa die Patienten waschen, rasieren und füttern, die in den Infektionszimmern hinter einer Schleuse vor sich hin vegetierten.

Die Krankenhausbewohner waren entweder Ur-Berliner Kettenraucher oder türkische, jugoslawische und russische Weddinger, die auch schon ein paar Jahrzehnte im Westberliner Norden verbracht haben und nun, innerlich zerfressen von Metastasen, ihrem Ende entgegen sahen. Die Krankenzimmer wurden oft zur Arena der Familienkonflikte der Patienten und ihrer Besucher. Erst Geschrei, fliegende Fäuste, dann Frauen mit blauen Augen neben ihren aggressiven Ehegatten mit Schnappsfahne und Infusionsschläuchen im Arm - kein seltener Anblick auf Station 1c.




















Kein Bunker, einfach nur typische Wedding-Ästhetik: ein Bürohaus in der Bornemannstraße.


Als ich mir dort in der Vorweihnachtszeit 2002 das erste Mal einen krassen Virus einfing, drehte sich alles um mich herum. Fieber, Durchfall, Kotzerei … was war schlimmer? Die Stationsschwester zerrte mich ins Schwesternzimmer, ging an ihren Giftschrank und mixte mir irgendein Gebräu zusammen. „Hier, trinken! Das sollte bis heut nachmittag wirken. Den Spädienst machste noch fertig, dann kurierste Dich ordentlich aus, dass Du morgen zum Frühdienst wieder fit bist.“ Im Gegensatz zum Patienten aus Zimmer 13 hielt ich wirklich noch bis Schichtende durch, ohne die Beene hochzuklappen – unglaublich. "Eine tote Leiche...", sang meine Ablösung, als der Mann mit über dem Kopf gezogenen Laken im Bett an der Stationsküche vorbei rollte und bis zum Ende der Besuchszeit im zweiten Aufenthaltsraum eingeschlossen wurde. Nur für den Fall, dass er sich das mit der Löffelabgabe doch noch anders überlegen sollte.




















Weihnachtlich dekorierter Pavillon in Weddings Stralsunder Straße


Ich schleppte mich mit grummelndem Magen zu meinem Auto durch die grauen Weddinger Straßen, in denen die Siebziger noch lebendig waren. Bis nach Hause schaffte ich es nicht, nur bis zu DJ V.Raeters alter Wohnung am Friedrichshain. Alles hatte undeutliche Konturen, drehte sich, verschwamm noch mehr. Bei ihm angekommen, knallte ich nur noch auf sein Bett. Gemeinsam mit Aaron friemelte er gerade an deren „Adventures in Paradise“-Mixtape. Das war meine Rettung. Wenn ich heute die Kassette oder nur einzelne Lieder davon höre, fühle ich mich so geborgen. Den Job mit den halben und ganzen Toten gab ich zum Jahreswechsel auf. Überbleibsel dieser Zeit sind die von V.Raeter produzierten und von mir gerappten, hier frei downloadbaren Songs:

Auf Arbeit wisch ich Scheiße weg:
>>Der Tragödie erster Teil<< und
>>der Tragödie zweiter Teil<<

Alle Fotos unter creative commons lizenz, flickr.de

Sonntag, 20. Dezember 2009

Chefes Lieblingsplatten

Dolles Geschenk zum 4. Advent

Ich mach's kurz, das hier:



gibt's ab jetzt zum freien Download. DJ Scientist dazu:
"Hallo zusammen!

Ein paar Tage vor dem großen Fest zur Geburt Jesu haben DJ Arok und ich uns kurzerhand entschlossen den 57-minütigen Rare Groove Mix „Godly Grooves“ zum Wohle der Allgemeinheit als kostenlosen Download im Internet anzubieten. Der Mix ist als Original-CD auf 100 Stück limitiert gewesen und war natürlich in kürzester Zeit ausverkauft. Trotz der geringen Herstellungszahl war das Pressefeedback enorm (siehe unten). Selbst das Vice Magazine und die Intro würdigten den Mix als eine der wohl beeindruckensten und einmaligsten Veröffentlichungen dieses Jahres.

Wer auch hören will, warum man sich dieses musikalische und auch textliche Erlebnis nicht entgehen lassen darf, kann „Godly Grooves“ nun entweder auf http://www.soundcloud.com/godlygrooves anhören (Download per Klick auf mp3) oder läd das Ganze mit Cover als zip-Datei auf Sendspace herunter: http://www.sendspace.com/file/8slgv3.

Also: Sagt „Ja“ zu Jesus und den göttlichen Grooves!

Viele Grüße und frohe Weihnachten!

DJ Scientist & DJ Arok

P.S.: Godly Grooves Part II ist bereits in Arbeit, wird voraussichtlich Ostern 2010 erscheinen und sollte an Obskurität Teil 1 nochmals übertreffen.

Zwanzigstes Türchen

Von einem weihnachtlichen Radiospaziergang durch Berlins klirrend kalte Mitte berichtet GTDK-Weihnachts-Chronist Jenz Steiner am 20. Dezember und wünscht allen Kassettenliebhaberinnen und Liebhabern damit einen schönen vierten Advent im Warmen.















Bewaffnet mit einem Minidisc-Recorder und einen Mikrofon starteten Marcello und ich am Vormittag des 24. Dezember 2000 unseren kleinen Weihnachtsspaziergang durch Berlin Mitte. Er wohnte damals noch in einem Plattenbau in der Münzstraße, genau zwischen Alexanderplatz und Rosa-Luxemburg-Platz. Während andere Leute Weihnachtsbäume schmückten, Kartoffeln schälten oder arme Karpfen schlachteten, sammelten wir O-Töne. Unsere erste Station war die Schlittschuhbahn am Alex. Dort dokumentierten wir unsere Schadenfreude über kleine und große Kinder, die sich zu „Last Christmas“ auf die Fresse packten und beinahe von den anderen Schuhschlitterern die Finger abfahren ließen.















Am Hackeschen Markt erzürnte sich Marcello über die Gäste eines Cafés namens Tschibo Matto und ihre Latte-Macchiato-Trinkgewohnheiten. Das Wort Latte Macchiato hatte ich bis dahin noch nie gehört, aber gut. Ich konnte halt auch von Marcello noch was lernen.

Im ewig langen Durchgang, der S- und U-Bahnhof Friedrichstraße verbindet, trafen wir auf einen russischen Straßenmusiker. Wir stellten uns neben sein Keyboard und rappten zu seinen Melodien. Aus der zufälligen Begegnung wurde eine coole Session und irgendwie kam es mir vor, als würden seine russischen Plastikakkorde plötzlich viel mehr Funk haben. Das war cool.














Es war saukalt. Vielleicht nicht ganz so kalt wie gestern. Zurück zur Münzstraße fuhren wir mit der Straßenbahn. Die Aufnahmen dieser weihnachtlichen Bahnfahrt durch die Oranienburger Straße kann man auf dem ersten Funkviertel-Sampler nachhören.

Samstag, 19. Dezember 2009

Hamburg

Entourage Kollege Pedro aus HAMBURG hat in Hamburg zum Geburtstag geladen...Come Along!

Jetzt: heiter bis wolkig, - 14 Grad



Während sich die Menschen im erfrorenen Berlin bei - 14 Grad nur noch dick eingemummelt auf die Straße begeben, bewegen sich Raekwons Video-Komparsinnen sommerlich über den Bildschirm.

Sichtbeton Video Snippet...

Heute wird das neue Sichtbeton Album "Zurück" endlich released! Zur Feier des Tages gibt es das Snippet jetzt auch mit Video!
Lunte und Vau unterwegs in der Stadt, in Berlin, in Prenzlauer Berg... erlebt die Jungs zu Hause, in der Bahn und beim Tanzen...



und für alle die es noch nicht wissen HIER kann man den Beton Sound kaufen!

Desweiteren gibt es auf der Aktuellen Juice CD "Fruchtsaft und Mädchen" im Dexter Remix (und das ist meiner Meinung einer der besten Beats bzw. Remixe dieses Jahres) + ein ausführliches Interview mit V.Raeter himself...
somit Geld gezählt und ab ins Kiosk, zu HHV oder zum S.V. Shop!

Neunzehntes Türchen

Wie über 300 Familien auf der ganzen Welt das Weihnachtsfest vermiest wurde, erzählt GTDK-Weihnachtschronist Jenz Steiner am 19. Dezember in einem sehr tragischen Erlebnisbericht aus seiner Zeit als Journalist in Moskau im Jahr 2003.
















In der trübseligen Studentenwohnstadt der Moskauer Universität der Völkerfreundschaft lebt es sich nicht schön. Kakerlaken und verbiesterte Aufpasser-Omas rennen durch die Etagenküchen und belagern verstopfte Müllschlucker. Die Innenansicht der fünfetagigen 80er-Jahre-Plattenbauten mit ihren großen Glasfenstern und den grauen Fassaden beschränkt sich auf beschlagene, abgeklebte Fenster, in denen die Wäsche zum trocknen hängt, kaputte Steckdosen und grüne, abblätternde Ölfarbe. Ein übler Mix aus Schweiß, Chlor und Bohnerwachs, aus Hühnerleber und Hirsebrei nimmt einem die Luft. Hier wohnen fast nur Studierende aus Entwicklungsländern, die lange vor der Perestroika Ausbildungsverträge mit der Sowjetunion abgeschlossen hatten.

Mit meinem Kamerateam hatte ich hier eine Reportage über russische Breakdancer gedreht, die regelmäßig in der schwarz gestrichenen Wohnheimdisko trainieren. Das war gerade ein paar Wochen her. Am Montag, es war der 26. November 2003, hatte ich einen Termin im Fremdspracheninstitut. Dorthin watete ich gegen Mittag im Pinguinschritt von der Metrostation über die dick überfrorene Schneedecke. Auf den glatten Trampelpfaden knickten Leute um, rutschten aus und stürzten. Streuen ist in Moskau sinnlos. Es schneite schon seit zwei Tagen. Bei -24 Grad verwandelte sich der Schnee in Eisregen. Bis jetzt war alles wie immer.



Aus der Ferne sah ich zuerst zwei Krankenwagen, dann eine mobile Einsatzleitung der Miliz. Das Fahrzeug kannte ich noch gut von den Bildern der Geiselnahme im NordOst-Musical 2002. Was war hier los? Mehrere Milizionäre in gelben Warnwesten standen um ein marodes Feuerwehrauto am Strassenrand herum. Nicht die Kälte zwickte in die Nase, sondern der schwarze Studentenwohntrakt zu meiner Linken. Bilder wie aus Rostock Lichtenhagen 1992. Fünf Etagen qualmten vor sich hin. Ich hob das rotweiße Absperrband an und stand mit etwa vierzig Menschen geschockt vor der rauchenden Ruine. Viele Studenten, ein paar Journalisten. Ein Anschlag der Nazi-Skins? Ich konnte es mir nicht vorstellen. Die verkloppen eher Leute im Schutz der Fußgängertunnel. In den Wohnheimen schieben ausrangierte Rotarmisten Wache. Viel zu riskant, zu viele Zeugen. Ein chinesischer Student sprach mich in gebrochenem Russisch an:"Ein Glück, dass von unseren Leuten keiner da drin war." Von Verletzten oder gar Toten wusste hier niemand wirklich etwas, nicht einmal die die ausländischen Journalisten.

Besonders aus dem hinteren Gebäudeteil stieg noch viel Qualm. Aus den Flurfensterlöchern starrten Feuerwehrleute wie gelähmt ins Leere. Eine wellige Eisschicht bedeckte die Scheiben ihrer Löschfahrzeuge. Milizionäre mit Papirossi im Mundwinkel sicherten den Eingang und die Seiten des Gebäudes. Eine vom Schrecken gezeichnete schwarze Frau schüttelte den Kopf beim Anblick des rußigen Blocks.



Die russischen Fernsehsender RTR und NTW stellten ihre Satelitenschüsseln im Schnee auf aufgestellt. Einen Block weiter parkten 20 oder 30 Krankenwagen privater Rettungsdienste, die wahrscheinlich noch auf das große Geschäft hofften. Wieviele Verletzte es hier gegeben hatte, war hier nicht rauszufinden. Vor der Studentendisko, dort wo wir die letztens Breaker gefilmt hatten, parkten jetzt schwarze Luxus-Limousinen mit rot-weißem Diplomatenkennzeichen. Die Botschafter der Partnerländer wollten sich selbst ein Bild der Lage machen. Ich sah einen Studenten in meinem Alter mit einer genähten Platzwunde am Kopf, sprach ihn aber nicht an. Das Ausmaß der Brandkatastrophe war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst.

Dort, wo ich jetzt stand, starben wenige Augenblicke vor meiner Ankunft 136 Menschen wegen einer defekten Steckdose. 170 Menschen konnten an diesem Montagmorgen mit schweren Verletzungen aus den Flammen des Wohnblocks 6 in der Moskauer Miklukho-Maklaya-Straße gerettet werden.

Alle Fotos: Jenz Steiner

Freitag, 18. Dezember 2009

Who Cares/ Soundtüftler und Pflich bei demNamen des Blogs







Gefunden vom schwarzen Schaf Deejay K.I.T. Weiter lässt er uns zur Boomboxgeschichte wissen : "da man ja immer sagen muss, wenn man es von nem anderen blog hat: das kommt von Nerdcore".

Er redet halt nich so gerne drüber

Sichtbeton in deine Augen


























Am Freitag ist Sichtbeton endgültig "Zurück" ... dann kann mans HIER im spokenview-shop oder bei hhv.de kaufen. Vorher schaut euch schon mal die beiden tollen Videos zu "Mein Platz" und "Die da" auf Mixery an!!!

Achtzehntes Türchen

Als knisternd anheimelndes Großstadtmärchen kommt die Fortsetzung von Jenz Steiners 17. Weihnachtskalendergeschichte daher. Die Story ist nicht nur schöner, sie ist auch länger als ihre Vorgängerinnen, doch da die Tage immer kürzer werden und die Menschen vor Weihnachten mehr Zeit haben, sollte das kein Problem sein. Viel Spaß mit Jenz und Nora allein zuhaus.













Look Kaon Bombing, Greifswalder Straße, Ecke Chodowieckistr, Prenzlauer Berg in den Neunzigern


Mit kalten Wangen und roter Nase stand ich nun in meinen Matschehosen vor Noras Wohnungstür, Käthe-Niederkirchner-Straße, Hinterhaus, dritte Etage. Ein paar Schneeflocken tauten auf meiner grünen Wollmütze. „Hi, ich bin MC Rumpelstiel und gerade im Erdboden versunken“, sagte ich als sie aufmachte. Nora beugte sich leicht nach hinten, nahm die Hände vor den Mund und lachte los. „Wie siehst Du'n aus? Hihihi. Du Armer, komm rein und zieh die olle Hose aus! … Oder schämste Dich?“, „Äh..., okay...“. Nur ein Gedanke beschäftigte mich:„Hoffentlich habe ich nicht den bekloppten Kaufland-Schlüpper mit dem „I'm the boss – sometimes“-Aufdruck an, den mir meine Mutter mal geschenkt hat.“

Noras grüner Pulli mit Dreieckskragen lehnte mit verschränkten Armen am Türrahmen zum Bad, als ich mir die dreckige Jeans abstreifte. „Naja, kann sich doch sehen lassen“, sagte ihre sanfte Stimme. „Von mir aus kannste so bleiben, oder willstn Rock von mir?“ Der Humor gefiel mir. Jetzt verschwand sie mit der Hose im Bad, schrubbte den märkischen Oderschlamm ab und flüsterte laut: „Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen mach ich der Königin ein Kind“. Jetzt musste ich lachen. Sie warf die Hose über die Heizung und mir eine schwarze Jeans zu. „Hier, von meinem Ex. Müsste Dir passen.“ Trockene Wollsocken gab es frei Haus dazu.

Nora kramte ihre Lieblingskassette vor, steckte sie in ihre Mädchenanlage und schon saßen wir bei Früchtetee und Kerzenlicht in ihrer Küche, mampften ihre Plätzchen-Kreationen und ließen das Jahr Revue passieren. Sie steuerte die Themen gerne in verfängliche Richtungen. Was man so träumt, wen man schon alles geknutscht hat ...

Die A-Seite der Kassette war voll mit Björk, Portishead und Massive Attac, auf der B-Seite erst Cypress Hill von 91, dann Jungle: „Mutant Jazz“ von T Power vs. MK Ultra. Ich machte ein mentales Foto von ihren grünen Funkelaugen und ihrem kastanienbraunen, halblangen Haar, das sich so sanft um ihr Gesicht legte. Unvergesslich! Als sie mal wieder schnell im Bad verschwand, guckte ich durch ihr CD-Regal. Rage against the Maschine, Miles Davis, Fugees, Feeling B, The Pharcyde, The Doors, Bob Marley, City und Public Enemy. Geil, voll der Prenzlauer-Berg-Mädchen-Soundtrack.

„Wollen wir noch eine Runde spazieren gehen?“, fragte sie. „Klar!“ Ich schlüpfte in die nassen Botten und schon ging's los. Sie hakelte sich ein. Wir guckten Tags: Broa, Muel, Disne, Look, ESC, Sober, Corinth, Optik, Karoy, Drama, Gizmo, Kaon, Pamir, Trick 17. Hunderte chinesische Weihnachtssterne in den Fenstern ließen die Bötzowstraße blinkern. Das Kino war dicht. Der zugefrorene Ententeich, der Indianerspielplatz - alles weiß, rodelnde Kinder, Schneeballschlachten – so weihnachtlich hatte ich den Friedrichshain ewig nicht erlebt. Auf dem kleinen Bunkerberg bauten wir einen Schneemann. Den Ast für die Nase platzierte sie frech in der Hüftregion. Dann bekam der Arme noch drei unterschiedlich große Brüste von ihr.



„Ich male auch ein bisschen“, sagte sie kleinlaut. „Echt?“. Eine halbe Stunde später saßen wir auf ihrem Bett und guckten durch ihr Blackbook. „Das ist in Hönow im Yard. Da haben wir einen Wholecar gemacht.“ „Das ist... ähm?“, „Grünau, das sehe ich doch gleich.“, „Genau.“ Themenwechsel. Sie zog den Teddy als Kissen unter ihren Kopf und legte „Midnight in a perfect world“ von DJ Shadow ein.

„Wie ist das mit Deiner Hose eigentlich wirklich passiert?“ Ich erzählte die ganze Geschichte, jede Szene. Wir lachten los, konnten uns nicht mehr halten, krümmten uns, rollten von einer Seite auf die andere. Unter uns quietschte die Matratze und wir lachten noch lauter, keuchten, röhrten und schnappten nach Luft. Das flackernde Kerzenlicht ließ die Schatten ihrer Beine an der Raufasertapete strampeln. Plötzlich hörte Nora auf. So abrupt, dass es mich verunsicherte. Zwei schmale Augen blinzelten mich an: „Du schöner, schöner Mann, Du!“ Nora rückte näher und küsste mich. Ein teuflisch-zartes Stimmchen flüsterte in MC Rumpelstils Ohr: „Wow, das kannst Du also auch“.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Siebzehntes Türchen

Wie lehrreich und erfrischend zugleich ein Ausflug mit Sichtbetons Lunte ins Märkische Oderland zwischen den Jahren sein kann, schildert Jenz Steiner am 17. Dezember im Generation-Tapedeck-Weihnachtskalender.














Weihnachtliche Stimmung in Berlin Marzahn, 2001

Nach dem Weihnachtsessen sollst Du ruhen, oder 1000 Schritte tun. Irgendwann zwischen 1998 und 2002. Irgendwann zwischen 25. und 28. Dezember. Lunte und ich setzten uns in die Regionalbahn 25, Ziel: die polnische Grenze. Damals wurde die Strecke noch von der Deutschen Bahn betrieben. Eine rotweiße Diesellok, Baureihe 201, zog zwei grün-weiße Reichsbahnwaggons von Berlin-Lichtenberg, Gleis 17, in den Barnim. Vorbei an den endlosen MRN-43-Bombings in Marzahn, an den Ruinen des Stasi-Gefängnisses in Ahrensfelde, in denen zu Ostzeiten politische Gefangene Orden feilten, Devisen und Westpässe nachdrucken mussten.



1143 Marzahn, Heimat der MRN Crew, grüßt seine Gäste.









Erster Zwischenhalt: Werneuchen, eine 8.000-Seelen-Gemeinde, deren Namen in Russland jeder kennt. Generationen von Soldaten der ruhmreichen Roten Armee haben zu Besatzungszeiten im Werneuchener Fliegerhorst den Sozialismus verteidigt und letztendlich abgewickelt. In den Klinkern des Bahnhofsgebäudes fanden wir noch die Spuren ihres Abschieds aus dem Jahr 1995 - in kyrillischen Buchstaben in den braunen Stein geritzt. „Mischa, Natascha, Igor, Oleg, Do Svidania Germanija!“.











Von Werneuchen aus schützte die Sowjetarmee den Luftraum zwischen zwei heilen Welten. An den Abzug dachte 1977 noch niemand.

Eine halbe Stunde warteten wir auf den Bus, der seit einiger Zeit die Bahn nach Bad Freienwalde ersetzte. Weiter ging's durch die Märkische Schweiz, Hügel, Felder, Wälder, Stratosphärenfunkbunker der NVA links, Russenkasernenruinen rechts, Endstation. Für zwei Fahrgäste wäre keine Lautsprecherdurchsage nötig gewesen.











Graffiti-freie Eisenbahnromantik: Die verschneite Strecke der Regionalbahn 25

Das Gute an der Zeit zwischen den Jahren ist, dass man mal Zeit zum Wandern und dabei Zeit zum Quatschen hat. Die alte Oder war schon zugefroren. Ein dünnes Decklein aus Schnee bedeckte das Ufer und die dünne Eisschicht. Wagemutig macht Lunte erste Stehversuche auf dem frisch gefrorenem Gewässer. Ich blieb am Ufer. Mir gefiel das nicht. „Was denn? Hält doch!“, meinte er und begann auch noch zu hüpfen. Jetzt krachte es, doch es waren nicht seine Beine, die in der Tiefe verschwanden. Unter mir hielt der Boden nicht stand und ich versank bis zu den Knien in eisig stinkender Modderpampe. Das war real Underground Hip Hop. So hart waren nicht einmal DasEFX mit ihrem 94er „Straight out the Gutta“-Album.

Fortsetzung folgt.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Das Fenster zum Hof...

Bäume ohne Blätter von Nebel umgeben...

Breaque überrascht uns mit GTDK Advents Mix Nr. 3! Freut euch auf nen entspannten Mix mit alten und neuen Hinterhofsounds!
Den einen oder anderen exklusiven Remix gewisser GTDK Blogger könnte man auch drauf finden...aber pssssssssst




















Sagt yes yoa, saugts euch und dreht die Regler bis zum Anschlag...
Bis nächste Woche!

Sechzehntes Türchen

"Ach, wie ist der Winter schön, besonders wenn es schneit, komm, wir wollen rodeln gehen, da freuen sich alle Leut", sang Lippi aka Wolfgang Lippert dem Jungpionier Jenz Steiner und vielen anderen Pionieren am Pioniergeburtstag 1984 im Pionierpalast vor. Wie abenteuerlich eine nächtliche Schlittenfahrt auch noch in den späten Neunzigern sein konnte, schildert unser GTDK-Weihnachtsmärchenerzähler heute, am 16. Dezember 2009, ohne Halstuch der Kassettenrekordergeneration.



















Ein Blick von der Abfahrt der Todesbahn auf dem kleinen Bunkerberg im Volkspark Friedrichshain auf den Prenzlauer Berg mit Segenskirche, Wasserturm und Immanuelkirche im Hintergrund und den Fassaden der Straße am Friedrichshain im Vordergrund.


„Habt ihr euch wieder benommen wie die kleinen Kinder, ja?“, fragte mich meine Mitstudentin, als ich ihr nach den kurzen Weihnachtsferien diese wahre Geschichte erzählte. Danach habe ich nie wieder ein Wort mit ihr gewechselt. Die blöde Spießer-Tusse! Kurz nach Weihnachten war Berlin weiß wie lange nicht mehr. Uns zog es im Schutz der Nacht auf die Knochenbahn im Friedi. Mit Lunte borgte ich mir aus der alten Waschküche unterm Dach meines Hauses einen Schlitten der Nachbarskinder, vorne schön rund geschwungen, oben mit Stoff bezogen. Cooles Teil, aber gefragt hatte ich nicht. Ich weiß gar nicht mehr, wer alles an der Rodelbahn im Friedrichshain dabei war. V.Raeter, Marcello, wir beiden Jense, eine riesige Meute auf jeden Fall. Der Park war leer, die matschigen Straßen auch. Nur der 157er Bus rutschte alle zehn, zwanzig Minuten ohne zu halten an der Hufelandstraße vorbei.


Bis zum Umbau des Friedrichshains anlässlich der Weltjugendfestspiele in den frühen Siebzigern konnte man mit etwas Geschick eine Rodelpartie auf der Todesbahn starten und auf halber Strecke auf die Knochenbahn umlenken, wie hier 1968.


Im Gegensatz zur Todesbahn, die hinten vom kleinen Bunkerberg in die Tiefe führte, war an der Knochenbahn mit ihren vier Schanzen richtig was los. Wer keinen Schlitten klargemacht hatte, nahm Plastiktüten, Pappen oder Eisgleiter wie Lunte. Ich werde nie dieses Bild vergessen: Ein endloser Dauerschrei, Lunte rattert rückwärts auf Gleitern stehend, mit wedelnden Armen die Knochenbahn hinunter und reißt mit seinen Füßen Funken wie die Stromabnehmer der Straßenbahn bei Frost. Alles bangt und staunt. So etwas hatten wir noch nie gesehen. Kein Sturz. Lunte blieb heile. „Mein“ Schlitten erstmal auch, trotz der drei Zusammenstöße mit einer Kastanie unten am Ziel. Wenn zwei schwere Leute lenken, kommt so ein kleiner Schlitten leicht durcheinander.

Wer von uns hatte diese blendende Idee? „Laß uns eine Karavane machen und dann rückwärts von ganz oben runter!“ Gesagt, getan. Sechs Schlitten wurden aneinander geknotet. Zwölf Leute schlitterten in einer Reihe schräg in die Tiefe. Was blieb, war endlosen Lachen und ein riesiger Schrotthaufen aus Holzleisten und Kufen. Der Abend war gelaufen. Wir brachten die Schlitten zu ihrer letzten Ruhestätte, eine Eiche am Fuße des Rodelbergs. In ihren Ästen hingen schon unzählige traurige Schrottschlitten. Wir baumelten mehr oder weniger traurig unsere Unfallopfer dazu und gingen gesenkten Hauptes nach Hause.


So ungefähr sahen wir als Kinder aus, wenn es Rodelzeit war. Diese Aufnahme entstand 1980 in der Leipziger Straße (alle Fotos, BA,gemeinfrei im Sinne der cc-Lizenz)







Am nächsten Tag schellte unser graues Wählscheibentelefon. Die Nachbarstochter war dran und wollte mich sprechen. Die achtjährige Anika erzählte mir, dass sie mit ihren Eltern im Friedrichshain spazieren war und einen Baum gesehen hätte, in dem ganz viele kaputte Schlitten hingen. Sie fragte mich, ob ich eine Erklärung dafür hätte, warum auf einem dieser Schlittenreste ihr Name stand.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Fünfzehntes Türchen

Nachdem das Acud dicht war, machte irgendwann vor 13 Jahren das Icon auf. Das Team war annährend dasselbe, die Musik anfangs auch. Die erste Rap-Party dort zog sehr verschiedene HipHopper an. Wie verschieden HipHopper sein können, erzählt Jenz Steiner in seiner fünfzehnten Weihnachtskalendergeschichte.

Das Telefon klingelte. Es klingelte wirklich, denn es war noch ein richtiges Wählscheibentelefon der Deutschen Post der DDR. Die Wende lag acht Jahre hinter uns, unsere Nachbarin seitdem unter der Erde und ihr Telefonanschluss seit kurz vor der Währungsunion in unserer Wohnung. Seb war dran. „Kommste heute mit ins neue Acud? Cantian Ecke Mila is dit, in so na alten Brauerrei, oder so? Sind alle da, die janzen BC-Leute och.“ Was er als das neue Acud anpries, war in Wirklichkeit das neue Icon im Kühlkeller der ehemaligen Groterjahn-Brauerei in Prenzlauer Berg. Ein braunes Ziegelgewölbe mit hohen Decken, Zugang gleich gegenüber vom Stadion, über den Dekra-Hof, auf dem ich nach der Fahrprüfung meinen Führerschein dreimal nicht ausgehändigt bekommen habe.


Das Icon heute, 13 Jahre nach seiner Eröffnung, hier mit Rusko, der das Publikum in den Wahnsinn treibt

Es waren wirklich alle da, die man zu dieser Zeit mit HipHop in Berlin in Verbindung brachte. Zwei Gestalten, deren Namen ich heute mal ändere, hatten ein sehr spezielles Zusammentreffen. Da war der kleine, verschüchterte Jeffrey aus einem Lichtenberger Plattenbau und der große, bullige Old School HipHopper Serkan aus Wedding in seiner Black-Panthers-Lederjacke, Goldkettchen und schnittiger Frisur. Jeffrey stützte auf einer Zweiercouch seinen Kopf auf den Händen ab. Wir standen mit Serkan ein paar Meter abseits und lachten uns kaputt über ein Schwulen-Pornoheft, dass an der Bar rumflatterte. Seb drückte Serkan das Heft in die Hand und zeigte auf den einsamen Jeffrey.

Serkan machte sich gleich auf den Weg, setzte sich neben ihn, legte väterlich seinen Lederjackenarm um Jeffrey, klappte das Poster in der Mitte auf und flüsterte ihm zärtlich ins Ohr: „Na, gefällt Dir das? Wäre das nicht was für Dich?“ Wir krümmten uns vor Lachen, Jeffrey krümmte sich vor Angst. Den Scherz hat er nicht verstanden. Heute ist Jeffrey Selecta bei irgendeinem Soundsystem und legt homophobe Ragga-Mucke auf.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Vierzehntes Türchen

Wie Jenz Steiner als freistilender Schwerenöter in einer sächsischen Kleinstadt ins Jahr 1997 feierte und die modeorientierte Dorfjugend veräppelte, berichtet er in seiner vierzehnten Weihnachtskalendergeschichte. Eine Story aus der Zeit vor splash, vor Aggro Berlin.

Komisch, dass es uns jedes Wochenende zu irgendwelchen Jams in anderen Städten zog. Als hätte Berlin nichts zu bieten. Das Wochenendticket machte es möglich. Erst 15 Mark, später 35 Mark für ein ganzes Wochenende auf allen Regionalstrecken. Dieses Sylvester wollten wir in der Karl-Marx-Stadt Chemnitz verbringen. Da sollte irgendwo eine HipHop-Party sein. Wir, das waren Gauner, Lunte, icke, ein Sprüher-Mädchen, ein Sprüher-Junge, der Breaker und spätere Aggro-Berlin-Mitbegründer Spaiche und seine hübsche Freundin. Wir fuhren mit dem HipHop-Mobil hin, ein von Mode 2 besprühter Ford-Transporter, der sonst mit Gauner und Spaiche an Bord von Schule zu Schule tourte, um Jugendlichen Rappen, Breakdance, Djing und Writing beizubringen.

Spaiche auf dem Cover des vom HipHop-Mobil initiierten Rap-Samplers B-Town-Flavor

Auf der Fahrt hörten wir irgendwelche New-York-Radio-Mitschnitte von den Kool DJ Red Alert, Funkmaster Flex Shows auf WBIM und WKLM oder Kiss FM. Spaiche und Begleitung ließen sich vorm größten Chemnitzer Hotel absetzen, wir fuhren direkt zum Talschock, einem Alternativen Jugendzentrum in der Chemnitztalstraße. Wir waren nicht die einzigen Berliner dort. Poise und Razzia waren auch dort und freestylten kurz vor Mitternacht auf der Bühne. Bei ihnen war das ein loses Zusammensetzen ihrer englischen Textpassagen. Das war cool. Wir kamen nicht ans Mic. Ich hätte Bock gehabt. Zum Jahreswechsel verschwand der ganze Laden im Bühnennebel. Wir versuchten, soviele Sachsenmädchen wie nur möglich zu küssen. Das gelang uns auch. Einem sächsischen Rap-Hooligan-Jungen in gelber Helly-Hansen-Jacke gefiel das nicht. Er rämpelte mich an. „Eyä, Du host meene Froindin gegnuudscht!“. Ich grinste und sagte ihm in sein dümmliches Gesicht: „Nicht nur Deine, aber ich geb Dir mal einen Tipp! Leg Dich nie, nie, nie mit einem Berliner an!“ Geil, das zog. Der Typ gab ruhe und verschwand im Nebel. Bis drei oder vier Uhr am Neujahrsmorgen kostete ich die süßen Lippen der sächsischen Mädchen.


Das Jugendzentrum Talschock in Chemnitz


Gauner hatte inzwischen den Dachboden des AJZ als Pennplatz klargemacht. Bis zur Morgendämmerung freestylten Lunte, Gauner und ich in einem Waschraum unterm Dach. Das muss die Hölle für alle gewesen sein, die dort pennen wollten. Aber uns war das egal. Als wir am ersten Januar 1997 wieder nach Berlin fuhren, ging es genauso freistilig weiter. Uns freute das sehr, unsere Mitfahrer anfangs auch, aber nach zwei Stunden muss das die Hölle für die verschlafenen Gesichter gewesen sein.

Dreizehntes Türchen

Der Generation-Tapedeck-Weihnachtskalender hat sein Bergfest hinter sich. Jenz Steiner darf sich nun zwölf weitere Innercity-HipHop-Anekdoten überlegen, die die Kassettenliebhaber von einst sinnlich und beschwingt auf das bevorstehende Weihnachtsfest einstimmen. Heute: der Jahreswechsel 95/96 zwischen Zinonskirche und Acud.


Slyvester mit einer riesigen Meute auf dem Turm der Zionskirche zu verbringen hat was. Die ganze Stadt knallt und blitzt und kracht. 1995/96 ging das noch. Danach zogen wir die paar hundert Meter bergab ins Acud. Wenn Neujahrsparty, dann mit HipHop. Keine Ahnung, wer da alles auflegte. Die Musik war bei allen DJ's dieselbe: Busta Rhymes, Black Moon, A Tribe Called Quest, Last Boyscout, Flatlinerz, N9ne, Method Man, Pharcyde und Jeru. Dazwischen immer so Nubian Crackers und Breakbeat-Zeug, aber auch Arman van Helden, der sich damals auch ein bisschen hiphoppig austobte.


1990 gründeten Künstler in der Rykestraße im Bezirk Prenzlauer Berg die Galerie ACUD. Die vier Anfangsbuchstaben der Gründungsmitglieder A.C.U.D. waren die Namensgeber des daraus entstandenen Kulturvereins, der in der Veteranenstraße sein endgültiges Domizil fand. Mitte der Neunziger wurde das Acud zum Treffpunkt der Berliner HipHop-Szene. Rap-Veranstaltungen sind dort heute selten. Im vergangenen Jahr legten Breaque und V.Raeter im neuen Calabash Club im Acud auf, Steiner, Susius oder HBL standen auch gelegentlich auf der Bühne. Foto: be local

Irgendwas war anders. Um mich rum hatten alle Freundinnen, knutschten rum, hielten Händchen und befummelten sich wild. Nur ich nicht. Voll jemoin, ey! Doch da erschien mein Hoffnungsschimmer – einen Kopf kleiner als ich mit halblangen, kastanienbraunen Haaren und buntem Strickpulli. Wow! Mein Neujahrsengel! Aber woher kannte ich sie? Meine Beine tanzten von alleine, während mein Kopf ratterte. Jetzt machte es klick. Ich nahm all meinen Mut zusammen und sprach sie an: „Sach mal, Du bist doch Katja. Wir waren zusammen im Kindergarten, weeste noch? Damals in der Esmarchstraße, im Bötzowviertel... ...“ Ich muß sie ganz schön zugetextet haben. Warum neigen Jungs immer dazu, ihre Unsicherheit mit Gelaber zu übertünchen? Von ihr kam nur ein schmales „Ja, kann schon sein, ick weeß“. Dann tanzte sie weiter und ich ging erst einmal Luft schnappen.

Vor der Tür standen nur noch zählbar viele Kumpels. HipHop-Partys sind halt schon immer etwas früher zu Ende. Mist. Als ich wieder runter kam, war die Kindergarten-Katja weg. Ich blieb noch mit zwei Writer-Atzen bis um sieben. Dem DJ gingen die Lust, die Platten und das Bier aus. Sense. Auf dem Weg zur Haltestelle holten wir unser Sylvester nach. Es ging so ziemlich alles zu Bruch, was kaputt gehen kann. Das Polizeirevier vor unserer Nase juckte uns nicht. Die Straßenbahn, so eine neue, gelbe, überholte Tatra, wurde zum Jahresbeginn gleich mal voll zugetaggt. 96 konnte beginnen und es wurde ein richtig cooles Jahr.

Samstag, 12. Dezember 2009

Heute wird jefeiert

Liebe Tapedeckler und Tapedecklerinnen,

geht heute ruhig feiern, während ich krank im Bette liege. Sind ja sonst alle da, im Publikum und/oder auf der Bühne, Gordon, Binh, Dehf, Bag, Suffdaddy, Breaque, Hodn, Du. Im St. Georg Klub, nähe U-Bahnhof Moritplatz, feiert hhv.de seinen siebten Geburtstag und die Generation Tapedeck sich selbst. Ich kann mir schon denken, was ich da verpasse, bei dem Line up. Die 12 Euro kann man in der Vorweihnachtszeit schon einmal für einen guten Zweck ausgeben. Schließlich wird man den Rest des Jahres noch von dieser Party sprechen. Das ging mir bis jetzt mit allen Veranstaltungen so, zu denen ich nicht kommen konnte.




















PS: Was nicht auf dem Handzettel steht: Audio88 wird sich zwischenzeitlich mal das Mikro schnappen und was singen.

Eindrücke von der "Girls Of Death" Exhibition mit Aitch, Ink-A-Zoid, Aro One etc.

Gegen das trübe Wetter!


JAHBITAT "Flight (Jahbitat Mashup)" VIDEO Harpy Lights The Canopy Project: Mooncircle, 2007)

Reiner bringt die Freshness back!

Twit und Der Modernste Mc haben eine EP gemacht!















































ich finde es super .yo.
kommt schon hände drückt hier !!!

durchzuckt von tiefem frieden.

jetzt, wo die welt draußen grau bleibt und die welt drinnen weiß wird, von den nebelmaschinen der Michael Jackson-imitatoren, mit denen wir auf das so unglaublich fahrige, verzettelte jahr 2009 zurückblicken, jetzt höre ich eigentlich den halben tag und die ganze nacht lang konstantin weckers "liederbuch" von 1978. suchtverhalten setzt ein. Das liederbuch war eine art best-of-doppel-LP-reihe von aktuellen liedermachern bei polydor. Auch wenn best-of-platten jedes sammler-herz langsamer schlagen lassen, ich empfehle diese reihe, weil die leute & lieder einfach enorm oder a-norm sind. auf der wecker-platte sind einige neuaufnahmen, z.b. von dem nie in die jahre kommenden "ich singe, weil ich ein lied hab", einem musikalischen credo, das ich, gäbe es darunter eine freie, papierne stelle, gerne unterschreiben würde.
um die gegenwart einzublenden: auf weckers seite sah ich einen text zum aktuellen weltgeschehen, den ich euch nicht vorenthalte: Titel lautet "11. Dezember: Friedensnobelpreis & Kriegspropaganda". Das erinnert natürlich die ganz alten oder kennerhaften blockleser an weckers urgewaltiges lied "es herrscht wieder frieden im land".

die etwas jüngeren oder einfach doch hip hop-affineren blogozyten fühlen sich dagegen einzig und allein an den Elemental Force-Track "wieder frieden" von unserem bestgehüteten geheimnis, dem 2004er album "adé cliché" erinnert.
Elemental force - wieder frieden by amboss-der-radiator

ein lied aus der bush-ära. peace, löf, harmony, junity, weltfrieden & streit. adé.

Zwölftes Türchen

Als DJ Tommek, Joe Rilla und MC Poise noch für drei Mark Eintritt in einem Prenzlauer Berger Jugendklub auftraten, stand GTDK-Weihnachtskalenderkolumnist Jenz Steiner begeistert im Publikum. Diesen Rap-historischen Augenblick teilt er am heutigen 12. Dezember mit der gesamten Generation Tapedeck.








Das ist ein Dienstleistungswürfel in Marzahn. Genauso sah das Atelier bis 89 auch aus.



Drei Mark Eintritt. Ein Stempel mit einem tanzenden Strichmännchen aufs Handgelenk. 20 Uhr und das Atelier 89 war voll. Dieser Jugendklub im Obergeschoss eines typischen DDR-Dienstleistungswürfels im nordöstlichen Zipfel von Prenzlauer Berg war bis zu dieser SWAT-Party am 30. Dezember 1991 nicht gerade als HipHop-Location bekannt. Ein zweietagiger Plattenbau war das, unten eine Post und ein Blumenladen, oben neben dem Klub noch ein Friseur, mehr nicht. Bis dahin gab es auch noch keine wirkliche HipHop-Szene in meinem Bezirk, nur einzelne Leute, die nicht voneinander wussten. Ich war schwer beeindruckt, wen ich da alles traf. Linda und Ahmad aus meiner Schule tanzten da rum. Auf der Bühne stand plötzlich der blonde Junge aus dem Wedding mit der Brille, den ich im November mit seiner Gang in der Jessener Straße getroffen habe. Jetzt schlossen sich ja Kreise. Das war auch derselbe Typ, der als MC Miss One in der letzten Yo-Show auf DT64 zu Gast war. Jetzt stand der da vorne und rappte so quäkig und gangstermäßig wie Eazy-E. Wer hätte ahnen können, dass der Typ mal zu einem DJ Tommek mutiert.

Die nächste Band war Three Men Nation aus Marzahn und Hohenschönhausen. Die kannte ich auch schon aus dem Radio. Musikalisch überlebt hat von denen nur Razzia, der kräftige blonde Rapper. Seit einem Jahrzehnt nennt er sich Joe Rilla. Hauptact war A Real Dope Thing. Oh, wie war ich von MC Poises Beatbox beeindruckt! Auch ihn hatte ich schon gesehen – ebenfalls in der Jessener Straße. Das war der Typ mit den dicken Turnschuhen. DJ Pumi (Rebel X), Poise und Fight waren für mich schon richtig alte Männer. Ich traute mich nicht zu tanzen. Das war mir peinlich. Viel Zeit dafür hätte ich eh nicht gehabt, da ich eigentlich um neun wieder hätte zu Hause sein müssen. Rebellisch wie ich war, blieb ich aber bis zehn und sprintete dann wieder zurück ins Bötzowviertel.

Freitag, 11. Dezember 2009

Heute ab 20.00 Uhr: 1 SIZE / 1 PRIZE "Girls Of Death" Exhibition (25 International Artwork Artists)

Project: MoonCircle

AITCH / RUMÄNIEN ARO ONE / DEUTSCHLAND BASE23 / DEUTSCHLAND CESAR NANDEZ / MEXIKO DARKMOUTH / DEUTSCHLAND CHRIS WHISBY / USA DEEONE / DEUTSCHLAND FAKIR / FRANKREICH GORDON OF PROJECT: MOONCIRCLE / DEUTSCHLAND GORE77 / POLEN GUY MCKINNLEY / UK INK-A-ZOID / DEUTSCHLAND MONSTA / FRANKREICH NADJA SCHÜLLER-OST / DEUTSCHLAND NIARK1 / FRANKREICH OTHER / KANADA PABO / DEUTSCHLAND PATRICK HARTL / DEUTSCHLAND PISA73 / DEUSTCHLAND RONZO / UK SADDO / RUMÄNIEN SANER / MEXIKO SERIOUS DRIFTING / DEUTSCHLAND

Im Dezember findet im Superplan (Berlin/Friedrichshain) der zweite Teil der 1Size/1Prize - Ausstellung statt. Das Konzept bleibt gleich, alle Arbeiten werden in der gleichen Größe zum gleichen Preis angeboten. Neu ist diesmal, daß die Ausstellung ein Thema hat: "Girls of Death". Insgesamt nehmen 25 internationale Künstler aus Deutschland, Frankreich, Kanada, Mexiko, Polen, Rumänien, UK und USA an der Ausstellung teil, um ihre Interpretation des Themas zu zeigen.

Vernissage: 11.12.2009 - 08:00 PM
Exhibition: 12.12.2009 - 03.01.2010

Superplan Gallery
Gaertnerstr. 33A
10245 Berlin

The Return of Rap's Mr. Burns



Ist das Ding hier durchgerutscht? Eines der frischesten "Classic Rap" Alben in 2009, und das für umme. Danny does BOOM!

http://www.multiupload.com/Y79SSWDS6G

Warum umsonst? Okayplayer weiss mehr...

Elftes Türchen

Ende 1991 wehte durch Friedrichshain immer noch ein revolutionäres Lüftchen. Die Kämpfe um die Mainzer Straße hatten ein Jahr zuvor gezeigt, dass hier die Leute anders tickten und sich nicht alles gefallen ließen. Jenz Steiner und sein Kumpel Richie schnupperten nun in besetzten Häusern herum, auf der Suche nach ihrer ersten großen HipHop-Party. Davon handelt die inzwischen elfte Weihnachtskalendergeschichte auf GTDK.















Friedrichshain: Mainzer Straße im Sommer der Anarchie, Juni 1990



Zur Buß- und Bettnacht 1991, damals noch ein Feiertag in Berlin, schlichen Richie und ich uns heimlich raus und machten uns auf nach Friedrichshain. Langenfeld hatte in der Yo-Show auf Jugendradio DT64 angekündigt, dass er in der Jessener Straße 41 in einem besetzten Haus auflegen würde. Heute kennt man die Adresse als Supamolly. Da mussten wir hin. Richie hatte seine roten Pash-Hosen und eine Redskins-Jacke an, ich hellblaue No-Name-Jeans, die olle Försterkutte meines Onkels und einen schwarzen Pulli. Erst trauten wir uns nicht rein. Gegenüber, am Traveplatz, schön im Dunkeln, übte Richie peinliche Tanzschritte und sang dazu „You down with OPP, yeah you know me“. Nach einer Weile gingen wir doch rein. Tür auf: Eine Punkerkneipe. Hunde, meterhohe blonde Iros, Nieten, gebleachte Jeansjacken, Aufnäher, Qualm, Lärm, Bierpullen und Gebell. Ich fragte den Mann hinter der Bar: „Entschuldigen Sie bitte, wo geht es hier zur HipHop-Party?. Er lachte. Ich glaube, er lachte uns aus, zeigte auf einen schwarzen Vorhang und meinte: „Hinten übern Hof!“. Aha, in besetzten Häusern sind Türen aus Vorhängen. Die Erfahrung sollte ich in meinem späteren Leben noch öfter machen.


Friedrichshain in history: Schön mit 1990er Rap-Mucke unterlegt - ein Bagger hebt Straßengräben für Barrikaden in der Mainzer Straße aus.

Wir balancierten im Dunkeln über Bretter, die uns trockenen Fußes durch die Modderpampe zum nächsten Vorhang führten. Vertraute Rhythmen. Hier lief wirklich Naughty by Nature. Hier waren wir richtig. Leute in dicken Jacken standen rum. Einer in besonders dicker Jacke und noch dickeren Turnschuhen fiel mir auf. Das war MC Poise von A Real Dope Thing (Ex Downtown Lyrics). Aber das konnte ich da noch nicht wissen? Wer war nur Langenfeld? Passiert hier noch was? Wir konnten damals ja auch nicht ahnen, dass das Rumstehen ja schon die Party war. Wir hatten ja keinen Plan von HipHop. Bei den Punkern war mehr los, aber deren Musik war scheiße. Also standen wir bei den Rappern rum und hörten Slick Rick und Public Enemy und Chubb Rock und Ice Cube und NWA und Big Daddy Kane und Biz Markie. Dann gingen wir wieder.


Als noch auf der Straße diskutiert wurde: Heiße Debatte zwischen einem Pro-Hausbesetzer-Ur-Berliner und einem konservativen Spießbürger auf den Straßen von Friedrichshain. Das Videomaterial stammt aus einer Doku des Kollektivs Mainzer Straßen aus dem Jahr 1991. Auch wenn sich mir bei den Kommentaren der Macher manchmal ganz schön die Nackenhaare aufstellen, spiegelt der Film den damaligen Zeitgeist wider.


Vor der Tür kam uns eine Horde Jugendlicher entgegen, denen man schon von weiten ansah, dass sie aus dem Westen kamen. Typen mit schwarzen Löckchen im Nacken, Goldkettchen, LA Raiders Football Jacken und weißen Jeans, Tussies mit riesigen Ohrringen, krass geschminkt mit aufwändigen Frisuren und Handtaschen. Wenn in unserer Klasse jemand so rumgerannt wäre … . Ein schmächtiger Junge mit dicker Brille in silberner Kassenfassung, kurzen blonden und leicht gegelten Haaren fragte uns höflich: „Entschuldigung, wisst Ihr, wo es hier eine Rap-Party geben soll?“ Morgen erzähle ich, wie ich erfuhr, dass der schüchterne Herr mit der brüchig-knarrenden Stimme und der großen Posse hinter sich MC Miss One war, der etliche Jahre später als DJ Tommek bekannt werden sollte.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Der Wolf und die sieben Geißlein 2.0


R.A. the Rugged Man "Posse Cut" Music Video feat. Hell Razah, Jojo Pelligrino, Remedy & Blaq Poet

Wie kann man den nachrückenden Generationen noch die Messages traditioneller Volksmärchen nahe bringen? Indem man die Sprache der Jugend spricht und deren Ästhetik und Musikgeschmack anspricht. R.A. the Rugged Man und seine Posse haben den Dreh ganz gut raus. In "Posse Cut" hat Regisseur Jed. I. Rosenberg viel künstlerische Freiheit bei der Adaption des klassischen Stoffs bewiesen. "Die Haustüre stand sperrweit auf: Tisch, Stühle und Bänke waren umgeworfen, die Waschschüssel lag in Scherben, Decke und Kissen waren aus dem Bett gezogen," heißt es in der Grimmschen Fassung des weltbekannten Märchens. Heute zeigt der Wolf der alten Geiß seine myspace-Seite, nur weil die lieben Kinderlein sich nicht die Pfote zeigen ließen.

Portishead unterstützt amnesty international


Portisheads neuer Track "Chase the tear" lief gestern erstmals auf Radio One von der BBC, heute gibt es den Link zum Video und zum Single Download hier, bei GTDK.

Zehntes Türchen

Heute, am zehnten Dezember führt uns Jenz Steiner in die Berliner Unterwelt der Mittneunziger. Weihnachten 1996 mit heißen Tangorhythmen im Jugendstil-Ambiente und illegalen Drum'n'Bass-Sounds in unterirdischen Pissoirs. Weihnachten in einer Stadt, die es so nicht mehr gibt.












Fortsetzung vom 9. Dezember:

Nach dem symbolischen Sturz der Kommerz-Diktatur über das Weihnachtsfest trafen wir uns mit ein paar Freunden und zogen in Richtung Mitte. Erste Station: Roter Salon, Volksbühne. Heiß und unchristlich ging es hier zu. Ein Knistern lag in der rauchigen Luft zwischen Jugendstilkronleuchtern und Messingspiegeln. Hier wurde Tango getanzt, und zwar richtig. Die Zwanziger waren wieder lebendig.

Eine kleine Zeitreise! Hier brutzelte kein Gänsebraten, hier kochten die Emotionen im 2/4-Takt. Diese Tänzerinnen waren Vamps. Sie spielten mit ihren Tanzpartnern, wickelten sie um die Finger und ließen sie nach jeder Runde schnell fallen wie eine heiße Kartoffel. Die Trommelwirbel, der Schweiß, die Gitarren, der Qualm und das Akkordeon wurden uns aber schnell zu viel. Johanna, ein blondes Mädchen mit Kapuzenteil, so alt wie ich, schloss sich uns an. Wir zogen die Wilhelm-Pieck-Straße, die jetzt wieder Torstraße heißt, runter und wurden immer mehr. Wer wollte schon am Heiligen Abend mit den Eltern vor der Glotze versauern?


Hier am Rosenthaler Platz, auf der Warteinsel, einige Meter links von hier befand sich der Zugang zum illegalen Sexyland, einer ehemaligen öffentlichen Toilette, die seit den späten Siebzigern dicht war wie die Zugänge zur Westberliner U8.


Die Berliner Klubkultur brodelte Mitte der Neunziger nicht nur, sie kochte fast über. Jungle, Drum'n'Bass, Trip-Hop oder Latin Lounge waren Zauberwörter, mit denen man jeden Laden voll bekam. Auch zu Weihnachten. Zweite Station: Sexyland. Auf der Straßenbahnhaltestelleninsel in Richtung Osten führte eine schmale, graublaue Treppe in die Berliner Unterwelt, eigentlich nur in eine ehemalige öffentliche Toilette, die nun illegal bis halblegal als Klub umgenutzt wurde. Bedingt gemütlich war es da. Weiße Fliesen an den Wänden, Turntables auf Bierkästen, eine kleine Diskokugel an der Decke, mittige Drum 'n'Bass-Sounds.



Fotos vom Rosenthaler Platz: creative commons, flickr








Das einzige abgeranzte Sofa hatten Johanna und ich in Beschlag genommen. Aus meinen Plänen sie zu küssen, wurde nichts mehr, weil sie mir ohne Pause von ihren Chorfahrten und vom tollen Weihnachtsoratorium erzählen musste, während ich ihr blondes Haar zwirbelte. Da konnte ich noch so sehr in die Offensive gehen. Die Anderen tanzten. Seb kam irgendwann an und fragte: „Ey, wo issn Niko?“, „Keen Plan!“. Nach ein paar Minuten tauchte Niko wieder auf. In der rechten Hand hielt er seine Metallsäge, in der linken einen abgesägten halben Hörer aus einer öffentlichen Telefonzelle. Die waren damals noch gelb wie der Weihnachtsstern.

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